Warum wir bei den Wahlen auf Solidarität setzen

In unserer täglichen Arbeit beim Solidaritätsnetz Bern begegnen wir Menschen, deren Schicksale oft hinter Paragrafen und Statistiken verschwinden. Wir beraten Geflüchtete, Sans-Papiers und Menschen in akuten Notsituationen. Dabei sehen wir immer wieder das Gleiche: Politische Entscheidungen sind keine abstrakten Debatten. Sie sind für unsere Klientinnen und Klienten die Grenze zwischen Würde und Ausgrenzung, zwischen Teilhabe und Isolation.

Die kommenden Grossrats- und Regierungsratswahlen im Kanton Bern sind deshalb eine Richtungsentscheidung. Wir setzen uns für einen Kanton ein, der Menschen schützt, statt sie zu bekämpfen. Wir wollen ein Bern ohne Mauern.

Unsere Vision einer solidarischen Migrationspolitik

Um Licht ins Dunkel der Wahlversprechen zu bringen, haben wir den Smartvote-Check gemacht. Für uns sind sieben Kernfragen entscheidend. Wir empfehlen allen Wählerinnen und Wählern, nur jenen Kandidierenden die Stimme zu geben, die eine menschliche Antwort auf diese Fragen haben.

1. Keine Repression bei der Sozialhilfe Menschen, die zu uns kommen, besitzen meist nichts. Sie kämpfen mit riesigen Hürden, um überhaupt Unterstützung zu erhalten. Dennoch wird politisch oft das Bild des Sozialhilfemissbrauchs aufgebauscht, obwohl dieser statistisch kaum ins Gewicht fällt. Wer die Sozialhilfe weiter verschärft, betreibt Politik auf dem Rücken der Schwächsten. Wir sagen klar: Nein zu mehr Kontrolle und Überwachung.

2. Politische Teilhabe ermöglichen Viele unserer Klientinnen und Klienten leben seit Jahrzehnten hier. Sie arbeiten, zahlen Steuern und erziehen ihre Kinder in Bern. Dass sie dennoch keine politische Stimme haben, ist ein demokratisches Versagen. Wir brauchen das Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer, um echte Zugehörigkeit zu schaffen.

3. Verantwortung übernehmen durch Resettlement Angesichts der Krisen in Gaza oder den Lagern in Griechenland darf Bern nicht wegschauen. Resettlement bietet Menschen sichere Fluchtwege und echten Schutz. Wer die Kapazität zur Hilfe hat und sie verweigert, trägt Mitverantwortung für das Leid. Ein solidarisches Bern muss hier vorangehen.

4. Echte Integration statt struktureller Hürden Integration ist kein Selbstläufer, wenn es an Sprachkursen und ausreichender Sozialarbeit fehlt. In unserer Beratung erleben wir täglich, wie Menschen an fehlender Unterstützung scheitern. Wir fordern eine stärkere Integrationsförderung, damit Bern wirklich ein Ort für alle Bewohner wird.

5. Einbürgerung als Brücke, nicht als Hürde Die Schweiz hat bereits einige der strengsten Einbürgerungsregeln Europas. Weitere Verschärfungen treffen vor allem jene, die ohnehin schon benachteiligt sind. Wir wehren uns dagegen, die Einbürgerung als bürokratisches Druckmittel zu missbrauchen. Wer hier lebt, gehört dazu.

6. Würde bewahren: Bargeld statt Bezahlkarten Die Einführung von Bezahlkarten für Menschen in der Nothilfe ist ein Akt der Demütigung. Es geht dabei nicht um Ersparnisse, sondern um reine Repression. Wer den Menschen die Kontrolle über ihr weniges Geld nimmt, markiert sie öffentlich als anders und schliesst sie vom normalen sozialen Leben aus. Wir verteidigen die Würde der Betroffenen und lehnen Bezahlkarten ab.

7. Fakten statt Vorurteile in Polizeimeldungen Die Nennung der Nationalität in Polizeiberichten schürt rassistische Vorurteile, ohne einen sachlichen Mehrwert zu bieten. Diese Praxis vergiftet das gesellschaftliche Klima und erschwert die Arbeit für ein friedliches Miteinander. Wir fordern eine sachliche Berichterstattung, die auf Fakten statt auf Ängsten basiert.

Jetzt handeln und solidarisch wählen

Diese Wahlen entscheiden darüber, wie unser Kanton mit den verletzlichsten Mitgliedern unserer Gesellschaft umgeht. Wir empfehlen für den Regierungsrat insbesondere Aline Trede und Reto Müller zur Wahl. Vergleicht die Profile der Kandidierenden auf Smartvote mit unseren Positionen und gebt eure Stimme jenen, die für Solidarität einstehen.

Gemeinsam können wir ein Zeichen setzen für einen Kanton Bern, der niemanden zurücklässt.

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